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Type Working Paper
Title Klimawandel, Bevolkerungsdynamik und reproduktive Gesundheit in Kamerun
Author(s)
Publication (Day/Month/Year) 2013
Abstract
Das Gutachten hat zunächst die Aufgabe, die Ergebnisse der beiden Studien, die Mesmin
Tschindjang im Januar 2013 im Auftrag der GIZ vorgelegt hat, auszuwerten und zu analysieren.
In den beiden Studien geht es um den Zusammenhang von Klimawechsel, Bevölkerungsdynamik
und reproduktiver Gesundheit in zwei extrem unterschiedlichen Regionen
Kameruns: der dichtbesiedelten Region Extrême Nord (EN), die in der sudano-sahelischen
(und teilweise im Übergang zur sahelischen) Klimazone liegt, und die Region Sud Ouest
(SW), die zur äquatorialen Klimazone gehört. Die beiden Regionen waren als die beiden
Pole unter den vier Schwerpunkt-Regionen der kamerunisch-deutschen EZ im Bereich der
reproduktiven Gesundheit ausgewählt worden.
In den Terms of Reference wird die Aufgabe so beschrieben:
“Analyze the results of two recent studies on the impact of climate change in Cameroon and
complete the results of these studies with special emphasis on population patterns and reproductive
health issues (assemble latest demographic and health data for Cameroon
(Population census, Demographic and Health Surveys, occasional papers by IFORD, World
Bank, UN, etc) with regard to:
• coping strategies and resilience/vulnerability to climate change at household level;
• changing patterns of land use, migrations within the regions and out oft he regions,
changes in the structure of the population and their dynamics;
• a model / an impact structure which describes the inter relations between various factors;
• the development of the GIZ portfolio in Cameroon.1

Im Unterschied zu den beiden Studien, die sowohl in ihren Executiv Summaries als
auch in den Zusammenfassungen und Empfehlungen zu jeweils wörtlich übereinstimmenden
Ergebnissen kommt, werden wir ein differenziertes Vorgehen für die beiden Regionen vorschlagen.
Wir halten es auch für sinnvoll, die beiden anderen Schwerpunktregionen (Adamaoua/
A und Ouest/ O) in die Überlegungen des Gutachtens einzubeziehen, weil diese beiden
Regionen sich, vor allem in ihren Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels
und dann in ihrer Bevölkerungsdynamik, deutlich von den beiden untersuchten Regionen
unterscheiden.
Bei der Durchsicht der beiden Rapports zeigte sich schnell, dass sie keine ausreichende
Grundlage für das Gutachten bilden können. Wir beginnen deshalb mit einigen kritischen
Anmerkungen:
Die beiden Rapports zerfallen in jeweils zwei Teile: Die Auswertung und Präsentation
von vorliegenden Daten und Studien zu Klimawandel, Bevölkerungsdynamik und reproduktiver
Gesundheit zum einen, die Perzeption der Bevölkerung zum genannten Problemkomplex
zum anderen. Leider sind die beiden Teile nicht klar getrennt. Es wäre sinnvoll gewesen, in
zwei Etappen vorzugehen, also zunächst die vorliegenden Daten und Studien auszuwerten
und dann auf Grundlage der Ergebnisse die Perzeption der Bevölkerung zu untersuchen. So
haben wir einen Fragebogen, der viele spekulative Elemente enthält. Die Analyse der realen
Entwicklung und die Analyse subjektiver Einschätzungen der realen Entwicklung werden
vermischt. Zweifellos kann sich die Perzeption auf die reale Entwicklung auswirken. Aber ob
und wie sie das tut, können wir nur verstehen, wenn wir die Entwicklung und deren Perzeption
zunächst getrennt analysieren. Genauer betrachtet, wird in den beiden Enquêtes nicht
die Perzeption der Klimaveränderungen untersucht, die Befragung wird vielmehr eingesetzt,
um aus subjektiven Wahrnehmungen von Veränderungen, fehlende Daten zu konstruieren.
Ein Beispiel ist die These, die Klimaveränderungen hätten 1992 begonnen und sich dann imZeitraum 2002 bis 2012 verstärkt2, die in beiden Studien vertreten wird. Gefolgert wird das
aus den Antworten auf eine Frage, auf die kaum andere Antworten vorstellbar sind.3 Mit den
Tatsachen hat das wenig zu tun. Im Norden etwa können die Jahre von 1979 bis 1988 als
der wichtigste Einschnitt gesehen werden, in denen die Regenfälle z.B. in Maroua 10 Jahre
in Folge unter dem langjährigen Durchschnitt von etwa 800 mm (in 5 Jahren unter 700 mm
und in drei Jahren unter 600 mm) lagen.
Die Präsentation der Daten ist relativ stark auf Zustände und Ereignisse statt auf Prozesse,
Veränderungen und Entwicklungen orientiert. Wir erfahren z.B., dass die Region Extrême
Nord (EN) nach der Region Centre die bevölkerungsreichste ist, woraus kaum
Schlussfolgerungen gezogen werden können. Sie soll die am dichtesten besiedelte Region
des Landes sein (S.14), was falsch ist, denn sie liegt in der Bevölkerungsdichte hinter den
Regionen Littoral, Nord-Ouest und Ouest an 4. Stelle. Wir erfahren, dass im Jahre 1987
46,6% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre waren, was aber eine wichtige Information vor
allem dann geworden wäre, wenn wir auch erfahren hätten, dass dieser Anteil bis zum Jahre
2005 auf 50,8% angestiegen war. Von hier aus hätten sich Fragen über die Bevölkerungsstruktur,
über den Zusammenhang von Bevölkerungsstruktur und Migrationsbewegungen,
über die niedrige kontrazeptive Prävalenz vor allem aber über die schwache gesellschaftliche
Stellung der Frauen ergeben, Frage, die in den beiden Studien nicht aufgeworfen werden.
Stattdessen wird eine „Storchentheorie“ von den Auswirkungen der Kälte auf sexuelle
Begierde und Geburtenrate (erst durch die Fragestellung und dann entsprechend durch die
Antworten) präsentiert. (Wenn es denn stimmt, dass Kinder vornehmlich in den Monaten
November, Dezember und Januar gezeugt werden, hat dies vielleicht eher damit zu tun,
dass das die Monate nach der Ernte sind.)
Das methodische Vorgehen bei der Durchführung der beiden Enquêtes ist nicht
hinreichend dargestellt. Wir erfahren zwar, wie viele Interviews pro Tag pro Enquêteur und
pro Département durchgeführt wurden. Wir erfahren aber nicht, nach welcher Methode die
Befragten ausgewählt wurden und wie hoch demnach die statistische Genauigkeit der
Ergebnisse einzuschätzen ist. Es gibt keine Auskünfte über die Struktur der Samples nach
Alter und Geschlecht, also auch nicht darüber, ob und wieweit die Samples von der Durchschnittsbevölkerung
abweichen und gegebenenfalls ponderiert werden müssten.
Die Fragebogen enthalten eine Reihe von Fragen, die den Charakter von Suggestivfragen
haben, also den Befragten Antworten in den Mund legen.
Die Ergebnisse werden nicht differenziert (nach Geschlecht, Altergruppen, ethnischen
und sozialen Gruppen, Religionszugehörigkeit etc.) dargestellt. Es fehlen Informationen über
den Anteil der Befragten, die eine bestimmte Frage beantwortet oder nicht beantwortet haben.
Die Auswahl der ausgewerteten Quellen erscheint relativ beliebig. Es fehlen wichtige
Quellen wie die EDS-Studien oder die Daten der letzten Volkszählung von 2005, jüngere
Daten zur Klimaentwicklung (nach 2005/06), Daten aus dem Gesundheitsbereich, Daten zu
internen Migrationsbewegungen, Daten zur Entwicklung des Umfangs von kultivierbaren und
kultivierten Böden etc.

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